Warum Capoeira?
Neben Selbstverteidigung, Körperbeherrschung, Koordination, Flexibilität, Reaktionsvermögen und Rhythmusgefühl fördert Capoeira noch eine ganze Reihe weiterer Eigenschaften und Fähigkeiten. Da es so viele Gründe gibt Capoeira zu trainieren, ist diese Seite in Kapitel unterteilt:
Multi-nivealer Anspruch an Körper und Geist
Körper-Gesundheit
"Bewegung ist das Tor zum Lernen." - Lernphysiologische Aspekte
Ein neuer Zugang zu Deinem Körper und zu Dir selbst
Multi-nivealer Anspruch an Körper und Geist
Capoeira ist eine sehr anspruchsvolle Sportart, die Kampf, Tanz, Musik, Akrobatik und Spiel sowie Philosophie und Kultur verbindet. Neben der körperlichen Perfektion schult Capoeira vor allem auch den Geist. Um den eigenen Körper zu beherrschen muss ein Capoeira-Spieler auch seinen Geist fördern denn nur so sind die komplexen Bewegungsabläufe, die letztendlich in Abstimmung mit dem Gegenüber ständig neu entworfen und entwickelt werden müssen, möglich. Bei fortgeschrittenen Capoeiristas steht über all dem eine Kampf-Strategie, die sich in jedem Moment diesen veränderlichen Parametern anpasst. Darüber hinaus muss das Capoeira-Spiel zu dem von der Musik vorgegebenen Rhythmus passen, und für jede der verschiedenen Spielformen gibt es eigene Regeln zu beachten.
Aus dieser Komplexität ergibt sich bereits allein aus dem Capoeira-Spiel ein multi-nivealer Anspruch an Körper und Geist. Capoeira ist aber nicht nur allein das was innerhalb der Roda geschieht, es gehören noch viele weitere Fähigkeiten zu einem vollständigen Capoeirista:
• Singen – Kontakt mit Sprache und Kultur
• Instrumente – Rhythmus, Fein-Koordination
• Handwerk – Instrumente, Cordas etc. werden z.T. händisch hergestellt
• Geschichte, Kultur
• Philosophie – Freiheit, Gerechtigkeit, Respekt, Sportlichkeit, Kampfgeist
• Malandragem – ein zentrales Element der Capoeira, schwierig zu beschreiben; näherungsweise übersetzbar mit „Gaunerei“ „Cleverness“ „Trick“. Die Fähigkeit mit Intelligenz und kreativen Lösungen das Beste aus einer Situation zu machen, war für die frühen Capoeiristas eine Überlebensfrage.
• Gruppe – selbst ein Capoeira-Mestre ist niemand ohne seine Schüler und seine Gruppe, Capoeira existiert nur in der Gemeinschaft.
um nur die wichtigsten zu nennen. Das heißt allerdings nicht, dass um Capoeira zu trainieren man all diese Dinge können oder perfektionieren muss. Natürlich hat jeder Mensch seine Stärken und Schwächen, die wenigsten können all das und niemand kann alles perfekt. Es geht nicht um Leistungsdruck, auch werden in Capoeira keine Prüfungen jedweder Art abgehalten. Es gibt sogar Capoeira-Mestres die kaum Berimbau spielen können, trotzdem sind sie gute Capoeiristas und haben ihre Berechtigung als Mestre, zudem legt jede Gruppe die Prioritäten anders. Die genannten Punkte sind eher als Orientierung zu verstehen, was alles zu Capoeira dazugehört und was jeder einzelne für sich persönlich herausholen kann.
Körper-Gesundheit
Capoeira, sofern korrekt und mit Beherrschung ausgeübt, ist ein sehr gesunder Sport für den gesamten Körper:
• Kräftigt gesamte (insbes. Rumpf-) Muskulatur und Bänderapparat
• Fördert aufrechte Körperhaltung
• Stärkt Herz-Kreislauf-System
• Steigert Ausdauer
• Lockert, entspannt, erhöht Flexibilität
• Fördert Koordination, Reaktionsvermögen
• Baut Stress ab
• Verbesserte Durchblutung und Anregung des Lymphkreislaufs steigern Versorgung des Körpers und Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen, sowie Entsorgung von Stoffwechselabfällen (Entschlackung)
• Sämtliche, auch selten genutzte Muskeln werden angeregt und aufgebaut, was sich positiv auf den gesamten Stoffwechsel auswirkt, insbesondere auf die Fettverbrennung da Muskeln die Haupt-Fettkonsumenten unseres Körpers sind
• Die für uns neuen und ungewohnten Bewegungen bringen auch die Körper-Energien wieder in Schwung, wodurch Energie-Ungleichgewichte oft ganz von selbst ausgeglichen werden; Dehnung regt Meridiane und Energiezentren zur Selbstheilung an
Lernphysiologische Aspekte
"Bewegung ist das Tor zum Lernen." (Paul Dennison) ist das Motto der Edu-Kinestetik.
Viele Kinder und auch Erwachsene haben Stress beim Lesen, Schreiben und anderen alltäglichen Tätigkeiten, können sich schlecht erinnern und nutzen ihr eigentliches Lernpotential nicht. Diese Lernschwierigkeiten sind häufig Blockaden im Gehirn, die uns hindern, so leicht und mit so viel Freude zu lernen, wie wir es bei kleinen Kindern noch beobachten können.
Lernblockaden beruhen häufig auf mangelnden synaptischen Verknüpfungen im Gehirn. Diese Verknüpfungen werden unser Leben lang durch alles was wir erleben und lernen neu gebildet und ausgebaut, nicht genutzte Verbindungen kümmern hingegen als kleine Trampelpfade dahin.
Gerade in der kindlichen Hirnentwicklung spielt Bewegung eine entscheidende Rolle. Je mobiler das Kind wird und je mehr Bewegungen es ausführen kann, desto mehr werden neue Hirnbereiche und Verbindungen angeregt und entwickelt. Aber auch später kann uns Bewegung helfen, die benötigten Verbindungen herzustellen.
Zu diesem Zweck bedient sich die Edu-Kinestetik bestimmter körperlicher Übungen, deren Bewegungsreize die Verbindungen stärken und so die geistigen Tätigkeiten erleichtern. Menschen jeden Alters wird so geholfen, ihr persönliches Lernpotential auf allen Ebenen voll zu nutzen und wieder mehr Freude am Lernen zu gewinnen. Insgesamt soll eine positive Einstellung gefördert, und damit auch ein Gefühl der inneren Sicherheit gestärkt werden. All das hilft, unser inneres Gleichgewicht und unsere Lebensfreude wiederzugewinnen und zu stärken.
Interessanterweise gibt es starke Parallelen zwischen den Körperübungen der Edu-Kinestetik und den Capoeira Bewegungen. Bei den Übungen der Edu-Kinestetik wird z.B. besonders viel Wert auf das Verknüpfen der Gehirnhälften gelegt. Das geschieht vor allem durch über die Körpermitte kreuzende Bewegungen. Der Capoeira-Grundschritt, die Ginga, bei der Arme und Beine jeweils diagonal bewegt werden, ist im Grunde genommen eine klassische Gehirnhälften-Verknüpfungsübung.
Weiters definiert die Edu-Kinestetik drei Bewegungs-Dimensionen, die bewusst genutzt werden um Nervenverbindungen herzustellen:
• Laterality: links-rechts – Verbindung der Gehirnhälften
• Focus: vorne-hinten – Verständnis
• Centering: oben-unten – innere Balance
Ein körperbetonter Zugang zu diesen drei Dimensionen, ist nach der Edu-Kinestetik eine zentrale Voraussetzung für leichtes Lernen und intelligentes Handeln.
Die dynamischen Capoeira-Bewegungen laufen nach allen drei Edu-Kinestetik Dimensionen ab, vor allem das Centering, die oben-unten Dimension, wird in Capoeira, im Vergleich zu den meisten anderen Sportarten und Kampfkünsten, verstärkt angesprochen.
Zudem muss kreatives und strategisches Denken zeitgleich mit Bewegung stattfinden, und sogar wer nicht selbst spielt, lernt durch die Verbindung "Zusehen-Klatschen-Singen".
Capoeira fördert dadurch
• Intensive Ganz-Körper motorische Koordination
• Körperkontrolle
• Koordination geistiger und motorischer Aktivität
• Feinkoordination (Instrumente)
• Rhythmusgefühl
• Integration beider Gehirnhälften
• Die neuronale Integration nach allen 3 Dimensionen
• Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit
• Kreativität und Lösungsfähigkeit
• Innere Balance
• Körpergefühl und Selbstbewusstsein
Integration ist…
…wenn alles funktioniert - und keiner weiß, warum
Zusammenfassend können wir sagen:
• Capoeira ist ein wertvolles pädagogisches Mittel
• Begeistert junge wie junggebliebene Menschen für Sport
• Trägt zur Erhaltung der Gesundheit bei
• Verbessert Lern- und Leistungsfähigkeit enorm
• Erweitert Verhaltensmöglichkeiten und Horizonte
Ein neuer Zugang zu Deinem Körper und zu Dir selbst
Jeder Mensch hat ein bestimmtes Gefühl für seinen Körper, für seine Eigenschaften, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Manche nehmen sich intensiver und genauer wahr, andere weniger, die einen positiver, die anderen negativer. Tatsache ist, dass sich diese Körperwahrnehmung mit allem was wir Erleben und Lernen verändert. Je besser wir unseren Körper spüren, je mehr wir in unserer Mitte sind, umso zufriedener und glücklicher können wir unser Leben führen.
Capoeira ist ein Weg, dieses Körper- und Selbstgefühl zu verändern und zu verbessern. Indem wir ganz neue Dinge tun, bisher unbekannte Bewegungen und Handlungen ausführen, erfahren wir auch ganz neue Eigenschaften und Fähigkeiten von uns selbst. Indem wir mehr Kontrolle über unseren Körper und unseren Geist bekommen und unsere Fähigkeiten erweitern, entwickeln wir automatisch ein ganz neues Selbstbewusstsein (d.b. Bewusstsein für uns selbst), wir lernen uns selbst immer besser (er)kennen und spüren. Zunächst nehmen wir ganz banale Dinge wahr: der Mördermuskelkater nach dem ersten Training erinnert uns daran wo wir überall Muskeln haben die wir schon ganz vergessen hatten; das Stiegen steigen geht leichter weil sich die Kondition verbessert hat; schließlich ein kleines Hochgefühl wenn man feststellt dass man die Einkaufstaschen nicht mehr abstellen muss, sondern den Lichtschalter mit dem Fuß bedienen kann;
Wenn man weitertrainiert erfährt man immer feinere und tiefere Veränderungen: das Denken ist freier, man schafft es sogar für kurze Zeit an gar nichts zu denken; das Lernen fällt leichter; man tut sich beim Rollschuhfahren weniger weh weil man auf Hände und Füße fällt und nicht mehr auf den Hintern (oder noch empfindlichere Körperteile); man traut sich allgemein mehr zu, ist selbstsicherer und fühlt sich schon wie ein richtiger Capoeirista ;-); schließlich hat man die Angst überwunden und springt Saltos, und während man spürt wie sich die Welt anfühlt wenn sie auf dem Kopf steht, sieht man sie plötzlich von einer ganz anderen Seite – eigentlich stehen wir ja nicht auf der Erde, sondern sind seitlich auf ihr angeklebt und die Schwerkraft verhindert, dass wir in den Weltraum hinausgesogen werden….
Und so weiter, jeder einzelne könnte hier seine persönlichen Hurra- und Aha-Erlebnisse aufzählen.
Capoeira verändert, jeden einzelnen auf seine ganz persönliche Art und Weise. Sie bringt die Menschen ein Stückchen näher zu ihrer einzigartigen Vollkommenheit.
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